Raquel Iridian Garcia über den Einsatz von KI in Community Archives

Anlässlich der International Archives Week 2026 veröffentlicht Raquel Iridian Garcia, Community Archives Manager des “After Violence Archive”-Projekts[1], Gedanken zur Auswirkung des Einsatzs von KI auf die Arbeit von zivilgesellschaftlich organisierten Archiven.

Dabei macht sie darauf aufmerksam, dass das Herstellen und Halten von Kontekten zur Sicherung von Dokumenten häufig sehr langsam und manchmal auch ermüdend verläuft. Der Einsatz digitaler Werkzeuge versprechen hier mehr Geschwindigkeit und Effizienz für die archivische Arbeit. Teilweise wird ihr Einsatz auch beim Einwerben von Fördermitteln positiv berücksichtigt und damit weiter befördert. Aber Garcia stellt die Frage nach den Folgen einer Verschiebung von aufwändigen menschlichen Interaktionen mit abgebenden Personen und Gruppen und Interaktion mit dem abgegebenen Material hin zu einem stärker automatisierten Archivbetrieb.

Das tiefere Verständnis des Kontextes von Archivgut aus privater Hand sei nur durch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Leben der zugehörigen Person möglich. Insbesondere in Archiven, die Dokumente von von psychischer und physischer Gewalt sichern, schaffe diese bewusste Anerkennung und menschliche Präsenz im Abgabeprozess und der weiteren Verarbeitung einen sicheren Raum für die betroffenen Personen und ihre Überlieferung. Eine rein auf Effizienz und Geschwindigkeit angelegte Optimierung von Arbeitsprozessen könne zum Verlust dieser Verbindungen führen. Die Folge sei eine Isolation der Archivarinnen von den Erstellern der Dokumente und damit von deren Aussagekraft und Bedeutung nicht nur für die Community sondern auch für das Archiv selbst.

Garcia betont nicht nur, wie wichtig die nicht-automatisierte Archivarbeit für den Kontakt mit abgebenden Personen und Gruppen ist: “letting record creators know that there’s a human being taking care of their story”. Sie erinnert in ihrem Text auch daran, dass Arbeitsprozesse in Archiven manchmal auch aus wichtigen Gründen langsam und bewusst durchgeführt werden.

Den ganzen Text gibts hier: https://afterviolenceproject.org/human-work-as-care/.


  1. Das “After Violence Archive”-Projekt sammelt seit 2021 Zeugnisse staatlich organisierter Gewalt gegen die Bevölkerung in den USA. Es hat zum Ziel, sich mit Hilfe des gesammelten Materials und der in diesem Kontext aufgebauten Kontakte für die Abschaffung von Gewalt sowie für transformative Gerechtigkeit im Nachgang zu Gewalttaten einzusetzen. Übergeordnet steht die Stärkung zivilgesellschaftlicher Verbindungen als Gegengewicht zu repressiven staatlichen Strukturen. ↩︎