Veröffentlichung der "Mitgliederkartei" der NSDAP

Inzwischen gibt es neben der Onlinestellung der NSDAP-“Mitgliederkartei” durch das NARA (https://catalog.archives.gov/id/12044361) drei Auswertungstools verschiedener deutscher Medien, die den Bestand für die Allgemeinheit einfacher durchsuchbar machen sollen:

Im Spiegel erschienen im Zuge der begleitenden Artikelserie ein Interview mit dem Präsidenten des Bundesarchivs ( NSDAP-Akten: Warum das Bundesarchiv keine NS-Personenakten freischaltet - DER SPIEGEL ) und ein Kommentar dazu ( NSDAP-Mitgliederdatei: Gebt die Nazi-Akten frei! - DER SPIEGEL ); beide leider hinter der Bezahlschranke.
In beiden Beiträgen wird summa summarum gefragt, warum das Bundesarchiv die Daten der Kartei nicht ebenfalls online veröffentliche. Für uns als Leute vom Fach dürfte die offensichtliche Antwort (§§ 11-14 BArchG) schnell auf der Hand liegen.
Also Haken dran und Diskussion zu Ende?

Welche Argumente gibt es eurer Meinung nach für oder gegen die vollständige Online-Veröffentlichung der Kartei durch das Bundesarchiv? Haben euch schon einmal Anfragen mit ähnlicher Grundproblematik erreicht und wie seid ihr damit umgegangen?
Von der Metaebene aus, ergeben sich m.E. auch interessante Folgefragen:

  • Was sagen Interview und Kommentar über die öffentliche und mediale Wahrnehmung der Arbeit von Archiven aus?
  • Welche positiven und negativen Auswirkungen könnte eine Debatte über den Grundkonflikt Schutzfristen vs. öffentliches Interesse auf den künftigen Umgang der Archive auf Datensätze ähnlicher Art (z.B. Spruchkammerverfahren, SED- und Stasi-Mitgliedschaftsunterlagen) haben?
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Ich setze mich nochmal ausführlicher an eine Antwort, auch weil ich das als gute Gelegenheit sehe, die Tätigkeit von Archiven nach außen zu kommunizieren. Zur Kartei aber erstmal diese spannende Analyse der Spiegel-Plattform aus dem Kontext eines Forschungsprojekts: @martincwinter.bsky.social on Bluesky

Es zeigt sich, wenig überraschen, dass es einige Schwierigkeiten bei der Vollständigkeit und Qualität der Ergebnisse gibt. Die Kommunikation des Tools durch den Spiegel in die Bevölkerung ist natürlich ein andere und offenbar nicht ausreichend differenziert.

Und hier auch noch eine ausführliche Einordnung der veröffentlichten Dokumente und Recherchemöglichkeiten, v.a. die Plattform der ZEIT: https://oberpfalz.hypotheses.org/755

“Der Erkenntnisgewinn durch dieses künstlich erzeugte „Privatarchiv“ ist marginal und fußt auf bereits zuvor frei zugänglichem Wissen.”

Die Plattform von Correktiv ist inzwischen wieder offline: Veröffentlichung von digitaler NSDAP-Mitgliederkartei - correctiv.org